Gedanken zum Kirchenjahr . . .


   

 

 

 

 

 

 

"Aus einem Saal erklang plötzlich das Lied: "Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit." Ich wusste, dass außer unserem Besinnungswochenende an diesem Tag eine Adventsfeier für blinde Menschen stattfand. Neugierig blieb ich stehen - ob es die Blinden waren, die dieses Lied sangen?

Nach der ersten Strophe wurde es ruhig, dann sprach eine Frau laut den Text der zweiten Strophe vor - und wieder setzte der Gesang ein: "Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit." Jemand öffnete die Tür und verließ den Raum, in dem die Blinden feierten, und ich sah brennende Kerzen auf den Tischen stehen.

Ich wurde plötzlich nachdenklich. Da waren Menschen, die wortwörtlich in der Dunkelheit sind, ohne Hoffnung, jemals wieder das Licht zu sehen. Und da sangen sie ein Lied von dem Licht, das in die Dunkelheit kommt.

Was mochte ein solcher Text, dieses Lied für diese Menschen bedeuten? Welches Licht ist gemeint? Wie sieht das Licht für einen Menschen aus, der nicht sehen kann? Vielleicht ist es mit diesem Licht so wie mit den brennenden Kerzen, die vor den Blinden standen: Auch deren Licht konnten sie nicht sehen, aber sie wissen, dass es brennt - und wenn sie sich behutsam diesem Licht nähern, dann spüren sie seine Wärme, hören vielleicht ein leises Knistern, wenn die Flamme im Wind flackert. Ich muss das Licht nicht sehen können - aber ich muss das Vertrauen haben, dass es dieses Licht gibt.

Von diesen Menschen habe ich eine neue Art des Vertrauens gelernt. Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit - das Licht leuchtet auf, auch wen ich es vielleicht nicht sehen kann, noch nicht sehen kann.

Andrea Schwarz (aus: Für jeden leuchtet ein STern)

 

 

 


Textauswahl und Bild: Ursula Perkounigg