Gedanken zum Kirchenjahr . . .

600. Geburtsjahr von Niklaus von der Flüe (1417-1487)
„Als Wanderer zwischen zwei Welten fand Bruder Klaus lange Zeit keine Ruhe. Schmerzen plagten ihn. Die Spannung, in der Welt und doch nicht von der Welt zu sein, zerriss ihn beinahe, Depressionen machten ihm zu schaffen, es war kaum auszuhalten. Erst als er sich ganz dem spirituellen Leben zuwenden konnte kam er zur Ruhe. Im Betrachten des Leidens Christi fand er die beiden Welten wieder, die ihn zu zerreißen drohten: die irdische und die göttliche Welt, das Leben mitten in dieser Welt und die Sehnsucht nach der ganz anderen Welt. Für Bruder Klaus war es ein langer Weg zu dieser Gewissheit. Sie ist ihm nicht in den Schoss gefallen. Er musste sie buchstäblich erbeten und erleiden.






(Textbeitrag von Josef Annen für das Wallfahrtssekretariat in Sachseln/ Schweiz)

Klara Obermüller beschrieb ihren Besuch des Rückzugortes des Niklaus von der Flüe:
„An einem trüben Januartag 1981 fuhr ich ins Flüeli und stieg zum ersten Mal in meinem Leben hinunter in den Ranft. Ich betrat Klause und Kapelle des Heiligen. Was mich am tiefsten traf bei jenem Besuch: wie lebendig der Ort dort unten in der Schlucht noch heute ist, wie stark die Ausstrahlung, die von ihm ausgeht, und wie nah Einsiedelei und Wohnhaus beieinander leigen. Zwanzig Jahre lang lebte also Bruder Klaus in unmittelbarer Nähe seiner Familie und dennoch unerreichbar: „ganz nah und weit weg“. Nach dem Besuch im Ranft wusste ich, es gibt nur eine Kraft, die solche Nähe und Ferne zugleich aushält: die Liebe.“

Textauswahl und Bild: Ursula Perkounigg